
Plotter, Pantser oder etwas dazwischen?
Wer sich länger in Autorenkreisen bewegt, stolpert früher oder später über die Begriffe Plotter und Pantser. Die einen planen ihre Geschichte bis ins kleinste Detail, bevor sie überhaupt das erste Kapitel schreiben. Die anderen setzen sich an die Tastatur und entdecken die Geschichte erst während des Schreibens.
Und dann gibt es noch die Menschen dazwischen.
Zu dieser Gruppe zähle ich mich.
Ich schreibe inzwischen seit über zwanzig Jahren. Natürlich sahen meine ersten Geschichten ganz anders aus als die Bücher, die heute veröffentlicht werden. Und doch hat sich eine Sache nie verändert: Ich brauche beim Schreiben die Freiheit, überrascht zu werden.
Im Laufe der Jahre habe ich vieles ausprobiert. Ausführliche Plotvorlagen, Kapitelpläne, Schreibmethoden und Produktivitätssysteme. Immer mit dem Gedanken, noch strukturierter und vielleicht auch effizienter zu werden.
Was ich dabei gelernt habe: Kreativität lässt sich nicht beliebig in Tabellen pressen.
Zumindest nicht bei mir.
Meine Figuren entwickeln oft ein Eigenleben. Sie treffen Entscheidungen, die ich so nicht geplant hatte. Sie geraten in Konflikte, die ursprünglich gar nicht vorgesehen waren. Und genau diese Momente sind oft die spannendsten. Sie machen aus einer guten Idee eine lebendige Geschichte.
Ganz ohne Planung funktioniert es allerdings auch nicht.
Bevor die Geschichte beginnt
Da ich hauptsächlich Fantasy schreibe, entsteht bei mir zuerst die Welt.
Bevor ich die erste Szene schreibe, brauche ich zumindest eine grobe Vorstellung davon, wo die Geschichte überhaupt spielt. Deshalb beginne ich fast jedes Projekt mit einer Karte.
Dabei geht es noch gar nicht um Ortsnamen oder Details. Ich überlege zunächst, wie die Welt aufgebaut ist. Welche Länder gibt es? Welche Regionen grenzen aneinander? Wo verlaufen Gebirge, Flüsse oder Meere? Welche Konflikte bestehen bereits, bevor die eigentliche Handlung überhaupt beginnt?
Viele spätere Entwicklungen ergeben sich genau aus diesen Überlegungen.
Denn eine Geschichte entsteht selten im luftleeren Raum.
Wenn Figuren Gestalt annehmen
Sobald die Welt in ihren Grundzügen steht, widme ich mich meinen Hauptfiguren.
Ich arbeite dabei mit Papyrus Autor und nutze die dort vorhandenen Figurenkarten, um die wichtigsten Informationen festzuhalten. Oft suche ich zusätzlich nach Bildern, die meiner Vorstellung der Charaktere entsprechen. Gerade bei Nebenfiguren hilft mir das später enorm dabei, den Überblick zu behalten.
Zu diesem Zeitpunkt beginne ich meist auch, über den eigentlichen Plot nachzudenken.
Allerdings nicht in Form eines hundertseitigen Masterplans.
Meist habe ich einige Schlüsselszenen im Kopf. Bilder, Dialoge oder bestimmte Momente, die unbedingt in der Geschichte vorkommen sollen. Diese Szenen bilden den Ausgangspunkt, von dem aus sich die Handlung entwickelt.
Die Welt wächst mit der Geschichte
Während ich die ersten Kapitel schreibe, beginnt die eigentliche Detailarbeit.
Dann entstehen Fragen wie:
- Welche Pflanzen wachsen in einer Region?
- Wie ist das Bildungssystem aufgebaut?
- Welche politischen Strukturen gibt es?
- Womit verbringen die Menschen ihre Freizeit?
- Welche Feste werden gefeiert?
- Welche Vorurteile oder Traditionen prägen eine Gesellschaft?
Mit jedem beantworteten Detail wird die Welt lebendiger.
Bei meinem aktuellen Projekt umfasst der Weltenbau inzwischen mehrere Dutzend Themenbereiche für jedes vorkommende Land. Manche davon finden später nur am Rande Erwähnung. Andere werden zu einem zentralen Bestandteil der Handlung.
Und genau das liebe ich an Fantasy.
Jede neue Antwort wirft weitere Fragen auf. Jede Entscheidung verändert die Welt ein kleines Stück.
Am Ende gibt es kein Richtig oder Falsch
Oft werde ich gefragt, ob man besser plotten oder einfach losschreiben sollte.
Meine Antwort lautet immer dieselbe:
Das hängt vom Autor ab.
Was für die eine Person perfekt funktioniert, kann für die nächste völlig ungeeignet sein.
Für mich liegt die Wahrheit irgendwo zwischen Planung und Spontaneität. Ich brauche ein Fundament, auf dem die Geschichte stehen kann. Aber ich brauche auch genug Freiraum, damit Figuren und Handlung sich entwickeln dürfen.
Vielleicht ist genau das der Grund, warum ich nach all den Jahren immer noch gern schreibe.
Denn obwohl ich die Welt erschaffe, weiß ich am Anfang eines Buches nie ganz genau, wohin die Reise am Ende führen wird.