
Was sind eigentlich Schreibroutinen?
Jeder Autor entwickelt mit der Zeit seine eigenen Gewohnheiten. Manche entstehen ganz bewusst, andere schleichen sich einfach mit den Jahren ein. Sie helfen dabei, leichter ins Schreiben zu finden und den Kopf auf die Geschichte einzustimmen.
Wie diese Routinen aussehen, ist allerdings ganz unterschiedlich.
Die einen kuscheln sich in ihre Lieblingsdecke oder ziehen warme Socken an. Andere brauchen unbedingt eine Tasse Kaffee oder Tee, zünden eine Kerze an oder gönnen sich ein paar Kekse. Manche beginnen ihren Arbeitstag erst, wenn sie sich angezogen haben und an ihrem Schreibtisch sitzen, während andere ihre besten Ideen in einem Café zwischen dem Stimmengewirr fremder Menschen finden.
Ein Patentrezept gibt es dafür nicht.
Jeder muss für sich selbst herausfinden, welche Umgebung und welche Rituale dabei helfen, kreativ zu werden. Trotzdem würde ich gerade Schreibanfängern empfehlen, bewusst mit kleinen Routinen zu experimentieren.
Oft reicht schon etwas, worauf man sich freut. Vielleicht die erste Tasse Kaffee am Morgen, ein bestimmter Duft oder die Lieblingsplaylist. Mit der Zeit verknüpfen wir diese Dinge ganz automatisch mit dem Schreiben. Das erleichtert den Einstieg – besonders an Tagen, an denen die Motivation fehlt oder die Ideen nur langsam kommen.
Auch kleine Ziele können dabei helfen.
Viele setzen sich unter Druck, weil sie gleich mehrere tausend Wörter schreiben möchten. Dabei reichen oft schon hundert Wörter am Tag. Dieses kleine Ziel wirkt viel erreichbarer und häufig schreibt man am Ende ohnehin deutlich mehr. Vielleicht arbeitest du auch lieber handschriftlich? Dann könnte eine halbe Stunde mit einem Notizbuch genau das Richtige für dich sein.
Meine persönliche Schreibroutine
Im Winter beginnt mein Schreibtag oft bei Kerzenschein. Gerade in den dunklen Morgenstunden sorgt das für eine gemütliche Atmosphäre. Dazu gibt es fast immer eine Tasse Kaffee oder Chai.
Was bei mir allerdings niemals fehlen darf, ist die Playlist für mein aktuelles Buchprojekt.
Für jedes Manuskript stelle ich mir eine eigene Musiksammlung zusammen. Sie hilft mir dabei, sofort wieder in die Welt meiner Figuren einzutauchen und begleitet mich oft auch auf Spaziergängen, wenn ich über neue Szenen oder den weiteren Verlauf der Geschichte nachdenke.
Mein eigentlicher Schreibtag beginnt allerdings schon vorher.
Zuerst gehe ich mit meinem Hund spazieren. Danach ist er versorgt und ich weiß, dass ich mich die nächsten Stunden ganz auf das Schreiben konzentrieren kann. Anschließend koche ich mir einen Kaffee oder Chai, nehme mir einen Keks oder ein Stück Schokolade mit und setze mich an den Schreibtisch.
Bevor ich anfange, schalte ich mein Handy in den Arbeitsmodus, damit mich Nachrichten oder Anrufe nicht aus dem Schreibfluss reißen. Gleichzeitig können wichtige Kontakte mich im Notfall trotzdem erreichen. Dann setze ich die Kopfhörer auf, starte meine Playlist und öffne den Fokusmodus meines Schreibprogramms.
In dieser Phase versuche ich, möglichst wenig zu unterbrechen. Das bedeutet auch, dass meine ersten Entwürfe voller Tippfehler, unfertiger Sätze und holpriger Formulierungen sind. Wenn mir ein passender Satz gerade nicht einfällt, schreibe ich trotzdem weiter. Überarbeiten kann ich später – wichtig ist zunächst, den Schreibfluss nicht zu verlieren.
Zwischendurch stehe ich immer wieder kurz auf, hole mir ein Glas Wasser oder koche eine weitere Tasse Tee. Diese kleinen Pausen reichen oft schon aus, um anschließend wieder mit neuer Konzentration weiterzuschreiben.
Mein Tipp
Es gibt unzählige Möglichkeiten, den eigenen Schreiballtag zu gestalten. Wichtig ist nicht, welche Routinen andere Autoren haben, sondern welche dir dabei helfen, regelmäßig zu schreiben.
Du gehst nicht gern spazieren? Du magst keinen Kaffee? Musik lenkt dich eher ab? Dann musst du dich auch zu keinem dieser Dinge zwingen. Selbst bekannte Autoren wie Stephen King, J. K. Rowling oder Haruki Murakami haben ihre ganz eigenen Routinen entwickelt – und keine davon ist allgemeingültig.
Im Grunde gibt es keine perfekte Schreibroutine. Es gibt nur die Routine, die dir dabei hilft, regelmäßig an deine Geschichte zurückzukehren. Ob das mit Kaffee, Kerzenschein, Musik oder ganz ohne Rituale gelingt, spielt letztlich keine Rolle. Wichtig ist nur, dass du einen Weg findest, der sich für dich richtig anfühlt.